Frederic Anhalter: „Ich möchte dieses historische Tor gerne meistbietend verkaufen. Es eignet sich vorzüglich für Dekorationszwecke im Holzhandel. Die einzelnen Hölzer sind bis zu 200 Jahre alt. Man kann daran wunderbar demonstrieren, wie sehr sich doch der Geschmack geändert hat und wie schön heutzutage unsere Hauseingangstüren und Gartentore sind. Das Tor müsste bei mir abgebaut werden, meine Preisvorstellung liegt bei 1.820 €.
Liebe Frau Dr. Fichte, ich bitte um Nachricht, ob Sie mir weiterhelfen können.“
Dr. Tanja Fichte: „Werter Herr Anhalter, ich verstehe, was Ihre Anfrage betrifft, nur Bahnhof – vielleicht den Anhalter Bahnhof? Das Tor ist eine Ansammlung von zusammengenagelten Brettern, die sich vorzüglich als Brennholz eignen, da sie ja nach Ihrer Aussage bis zu 200 Jahre alt und dementsprechend ausreichend luftgetrocknet sind, um bedenkenlos in einem Kaminofen verfeuert zu werden. Möglicherweise finden Sie aber auch einen modernen Künstler, der aus dem Tor eine sogenannte Installation macht, etwas Filz und Draht draufnagelt, die Fugen mit Hartwachs verschmiert, etwas rote Farbe drauf kleckst und das Ganze dann als „Tor zur Hölle“ an einen Sammler moderner Kunst verkauft. In diesem Bereich ist so ziemlich alles möglich, denn nach Joseph Beuys ist sowieso alles Kunst – also auch Ihre Bretteransammlung.“