Wer auf dem Flughafen von Neapel landet und dann in die touristischen "Perlen" Amalfi oder Positano weiter fahren will, braucht eine satte Stunde, um durch unendliche Serpentinen die Küste zu erreichen. Möglicherweise würde es jedem, der nicht im Golf von Neapel aufgewachsen und enge Serptentinen nicht schon von Kindesbeinen an gewöhnt ist, schummerig werden, wenn nicht plötzlich einen "boschi" (übersetzt: Waldung) durchfahren würde. Grün, wohin das Auge schaut, aber eher eine Buschlandschaft, als ein Wald.
Und dann fallen einem in Waldschneisen lange Stangen auf, die senkrecht an Felsen Lehnen. Der Deutsche denkt an Bohnenstangen und ist damit dicht an der Erklärung des merkwürdigen Anblicks. In den "boschi" rund um die kleine Stadt Pimonte in der Campagna im Hinterland von Neapel gibt es einen Holzhandel der besonderen Art. Hier werden Kastanienbäume dicht an dicht angebaut, allerdings keine Edelkastanien, sondern Rosskastanien. Wenn man nicht genau hinschaut, könnte man meinen, man hätte Bambuswälder vor sich.
Die Kastanien werden im Alter von sieben Jahren "geernet", wie es in der Forstwirtschaft heißt. Seitentriebe und Rinde werden entfernt und übrig bleiben schmale Stämme von etwa sechs Meter Länge. Rund um Pimonte gibt es mehrere Holzhändler, die sich nur mit dem Verkauf dieser langen Kastanienstangen (Foto links) und kürzerer, allenfalls kinderarmdicker Eichenstämmchen befassen (Foto mitte). Die Kastanienstangen dienen als Spaliere für den Weinbau. Stange an Stange wird mit Draht festgedrillt und die Trauben finden an den Stangen halt (Foto rechts). Man hat versucht, statt der Holzstangen Metallstangen aufzustellen. Das Ergebnis war miserabel: Metall heizt sich in der südlichen Sonne auf und schädigt die Rebstöcke. Die Eichenstämmchen werden übrigens nicht im Weinbau eingesetzt, sondern in traditioneller Bauweise zu Dachstühlen verarbeitet.
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